| Interviews:
Moonhead interview By Stephan Schelle : November
2005
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German version
Stephan: Frank, du
hast mit der CD „Closer“ mittlerweile
dein fünftes Album auf dem Markt. Man kann
also sagen, dass du schon zu den etablierten Musikern
in der Elektronikszene zählst. Seit wann machst
du selbst Musik und wie bist du zur Elektronikmusik
gekommen?
Frank: Im Alter von 18 Jahren, in den 80’ern,
gründete ich die belgische New Wave Band 1000
Ohm. Mit dieser Band hab ich Popmusik im Stil von
Depeche Mode und Ultravox gespielt. Wir waren glücklich,
dass wir einige Hits in Belgien, Frankreich und
Kanada platzieren konnten. Weil wir relativ erfolgreich
waren hatten wir einen Plattenvertrag bei einer
Majorcompany, was uns durch das Budget eine Menge
Zeit im Aufnahmestudio bescherte. Kurz bevor die
Band 1000 Ohm sich im Jahr 1987 auflöste, war
das Studio schon mein natürliches Biotop geworden
und ich begann andere Bands zu produzieren.
Einige Jahre später kaufte ich das ACE-Studio,
das mir als dauerhafte Basis für meine Aufnahmeprojekte
dient. Als der finanzielle Stress, der auf der Übernahme
des Studios zurückzuführen war, beendet
war, (dies dauerte einige Jahre) begann ich das
Studio regulär zu mieten um die Musik zu machen,
die ich im Herzen trug. Die Art von Musik, die ich
für mich selbst, nicht für irgendwelche
Käufer, machen wollte, elektronische Musik
verwurzelt in den 70’ern und frühen 80’ern.
Das Resultat war mein erstes Soloalbum „Colours“,
das ich 1998 herausbrachte.
Stephan: In deinen
Stücken klingt eine gehörige Portion Vangelis
durch. Ist der große Grieche ein Vorbild für
dich?
Frank: Ich respektiere ihn sehr und tatsächlich
hat er einen großen Einfluss auf meine Musik,
aber auch eine Reihe anderer Musiker hat meine Musik
inspiriert. Ich höre Elektronische Musik schon
seit ich noch sehr jung war und ich hab immer die
melodische Art der Elektronikmusik bevorzugt. So
kam man natürlich damals an Vangelis nicht
vorbei. Es gibt eine Reihe Komponisten, die eine
hohe Qualität in der elektronischen Musik erreichen.
Wenn man mich den neuen Vangelis nennt, dann bin
ich natürlich geehrt, auf der anderen Seite
irritiert es mich aber auch, weil es sich anhört,
als würde man nur kopieren und das ist etwas,
das ich nicht tun will.
Menschen neigen dazu alles zu kategorisieren. In
die Schublade, in die man mich steckt, gibt es wenige
andere Namen als Vangelis und Jean Michel Jarre.
Aber aufgrund fehlender Namen vergleicht man mich
meist mit Vangelis. Das ist für mich das gleiche,
als würde man jede Gitarrenrockband, die nicht
mehr als vier Akkorde in einem Song benutzt, mangels
anderer Vergleiche mit den Rolling Stones gleichsetzen.
Aber lass uns mal das positive daraus sehen. Leute,
die Vangelis lieben, werden meine Musik mögen,
weil wir die Liebe für große Melodien
und gut klingende Synthesizerarrangements gemeinsam
haben. Einige Leute, die ihr Interesse am großen
Griechen verloren haben, hören heute meine
Musik und dieser Umstand allein ist es Wert, dass
ich weiter meine Musik mache und herausbringe.
Stephan: Aus deinen
Songs sind Ähnlichkeiten zu den Vangeliswerken
„Albedo 0.39“ und auch „Blade
Runner“ zu erkennen. Welche Vangelis-Alben
gehören zu deinen Favoriten?
Frank : Mein Lieblingsalbum von Vangelis ist „Soil
Festivities”. Nach meiner Meinung ist es das
schönste Ambientalbum, das jemals aufgenommen
wurde. Obwohl er noch mehr großartige Alben
herausgebracht hat, habe ich „Soil Festivities“
am meisten gespielt. Ich höre es mir von Zeit
zu Zeit wieder an. Das für meinen Geschmack
zweitbeste Album von Vangelis ist sein Meisterwerk
„China“. Andererseits sind da noch „Albedo
0.39“ und Pink Floyd’s „Dark Side
Of The Moon“ zu nennen, das Album, über
das ich auf die Existenz des Synthesizers aufmerksam
wurde. Ich wusste zwar nicht wie er aussah, aber
es klang für mich fantastisch, so dass ich
mir einen zulegte. Zu diesem Zeitpunkt war ich 14
Jahre alt.
Stephan: Zum E-Live-Festival
hast du im Jahr 2003 eine MaxiCD mit dem Titel „Hi-Tech
Hippies“ kostenlos an die Zuschauer verteilt.
Hervorzuheben ist bei den beiden Stücken, dass
sie - entgegen deinen bisherigen Aufnahmen - Gesang
enthalten und recht kommerziell klingen. Welchen
Hintergrund hatte diese Veröffentlichung und
wie kam es, dass du die CDs kostenlos abgegeben
hast?
Frank : Ich habe immer eine ganzes Bündel
an Aufnahmen im meinem Studio rumliegen. Von Zeit
zu Zeit komponiere ich Musik, die außerhalb
meines „persönlichen Stils“ liegt.,
die es aber Wert ist aufzunehmen. „Hi-Tech
Hippies“ war so ein Stück. Normal hätte
ich dieses Stück nicht herausgebracht, aber
als ich an dem Stück arbeitete, hörten
es einige Leute im Studio und waren ziemlich begeistert.
Sie fragten mich nach einer Veröffentlichung
dieses Stückes. Weil ich mich so über
den Auftritt beim E-Live 2002 so begeisternd aufgenommen
wurde, entschied ich mich, hieraus eine Maxi CD
als „give away“ für alle Besucher
des E-Live 2003 zu machen. Ich konnte nicht allen
Besuchern einen Drink spendieren, daher zog ich
es vor, auf diesem Wege „Danke schön“
zu sagen. Auf diese MaxiCD habe ich außerdem
ein Stück mit dem Titel „L’etang“
hinzugefügt. Dieses Stück stammt aus meiner
privaten Kollektion von Ambientwerken, die ich im
Laufe der Zeit komponiert habe. Es ist sehr fließende
Musik mit klassischen Einflüssen. Man könnte
es mit den Worten „Claude Debussy trifft Steve
Roach“ umschreiben.
Stephan: Im Cover
der „Hi-Tech Hippies“ steht, dass die
Stücke auf einem zukünftigen Album erscheinen
werden. Nun sind sie aber auf „Closer“
nicht mit drauf. Wird es irgendwann mal ein Album
mit diesen Stücken geben oder können sich
all diejenigen, die die CD erhascht haben über
ein Unikat freuen.
Frank : Ich hatte das Gefühl, dass das Stück
nicht auf das Album „Closer“ passen
würde. Es wird auch nicht auf einem zukünftigen
Album erscheinen und die MaxiCD wird auch nicht
wieder nachgepresst. Ja, es ist ein einzigartiges
Release, ein Unikat.
Stephan: Auf deinem
aktuellen Album „Closer“ hast du eine
Version des Deep Forrest-Klassikers „Sweet
Lullaby“. Davor hast du keine Coverversionen
auf deinen Alben. Wie kam es zu dem Song?
Frank: Ich wollte nie Coverversionen machen weil
ich glaube, dass man meist nicht das Gefühl,
das ein Künstler in das Original gelegt hat,
verbessern kann. Von Zeit zu Zeit höre ich
schon mal einen Titel, den ich gerne covern würde.
Aber der Grund dafür, dass ich es nicht mache
ist, dass man die magische Energie eines Originals
niemals in einer Coverversion einfangen kann. Daher
ist es das beste, die Finger davon zu lassen! Wie
auch immer, mit „Sweet Lullaby“ hatte
ich das Gefühl, die Hauptmelodie in ein typisches
„Van Bogaert“-Arrangement ohne Energie-
und Qualitätsverlust umarrangieren zu können.
Die Melodie war lange in meinem Kopf. Seit ich sie
zum ersten Mal gehört hatte arbeitete ich nicht
daran, weil ich überzeugt war, dass es Deep
Forest’s Originalkomposition sei. Erst als
ich entdeckte, das es sich dabei um eine traditionelle
Melodie von den Solomon Inseln handelt und das Jan
Garbarek auch schon seine Version dieses Stückes
gemacht hat, bekam ich Interesse an einer eigenen
Version. Die Melodielinie, die von Deep Forest gesampelt
wurde stammt von einem Song der in den Siebziegern
von der Unesco aufgenommen wurde. Gesungen wurde
er damals von einer weiblichen Sängerin von
den Solomon Inseln. Die Sängerin nannte das
Stück damals „Rorogwela“ und daher
gab ich meiner Version dieser wunderbaren Melodie
den gleichen Titel. Ich bin der Meinung, dass es
eine der wunderbarsten Melodien ist, die jemals
im Bereich der Weltmusik komponiert wurden!
Stephan: Du hast
beim E-Live im Jahr 2002 ein tolles Konzert gegeben.
Man spürte förmlich deine Energie und
Spielfreude. Was bedeuten dir Liveauftritte?
Frank: Ich glaube es war wichtig, das Konzert auf
dem E-Live zu geben. Eine Reihe von Leuten haben
mich nach einem Konzert gefragt und gleichzeitig
hatte ich mein Album „Human“ veröffentlicht,
das so eine gewisse Promotion bekam. Weißt
du, ich hab eine Menge Zeit in mein professionelles
Aufnahmestudio gesteckt, daher arbeite ich so lange
an meiner Musik, bis sie soundtechnisch perfekt
ist. Aber bei Livekonzerten gibt es so viel, was
schief gehen kann und daher trete ich nicht so gern
live auf, außer es ist sehr gut vorbereitet.
Auf der anderen Seite ist es sehr aufregend live
zu spielen. Ich liebe die Spannung die sich Minuten
vor dem Betreten der Bühne einstellt. Und wenn
du dann die Bühne betrittst, verwandelt sich
die Spannung in eine aufgeladene Energie, bei der
du dir wünschst, ins Publikum katapultiert
zu werden. Ich liebe das einfach und es war nicht
erst nach dem E-Live, das ich bemerkte, das zu viel
Zeit seither vergangen war, seit ich in seit den
80’ern die Bühne verlassen hab.
Stephan: Wird man
dich mal wieder live erleben können? Wie sehen
deine nächsten musikalischen Pläne aus?
Frank: Ich habe mir gerade Gedanken zu einem Livekonzert
gemacht, auch weil in Kürze ein Best Of-Album
mit dem Titel „One Out Of Five“ erscheinen
wird. Dies Album ist vor allem für Leute gemacht,
die meine Musik bisher noch nicht kennen, daher
wird es keine neue Musik von mir enthalten. Alle
meine Alben vermitteln ein geringfügig abweichendes
Gefühl. „One Out Of Five“ wird
die besten Tracks meiner bisherigen fünf Veröffentlichungen
beinhalten. Mein Label Groove Unlimited und ich
sind der Auffassung, das wir mit einem Best Of-Album
ein breiteres Publikum erreichen können, das
auch außerhalb der „Elektronikmusik-Szene“
zu finden ist. Eine witzige Idee von uns war es,
das wir Leute eingeladen haben, uns per Email Vorschläge
für die Zusammenstellung der CD zu machen.
Alle die uns dabei geholfen haben werden namentlich
in den Credits auf der CD genannt. Im Moment arbeite
ich auch gerade an einem neuen Album, das voraussichtlich
Ende 2006 herauskommen wird. Daher glaube ich, ob
nun im Zuge der „One Out Of Five“ oder
meines kommenden sechsten Albums, ein weiteres Livekonzert
wird es in 2006 wahrscheinlich geben.
Stephan: Du hast
auch ein eigenes Studio. Produzierst du auch andere
Musiker? Wenn ja, welche Art von Musik produzierst
du da, beschränkt sich das auf die Elektronikmusik
oder geht das auch in andere Richtungen?
Frank : Ja, ich produziere eine Menge an Musik
anderer Künstler. Es ist wahrscheinlich überraschend
aber außer meinen Alben produziere ich keine
elektronische Musik. Seit einigen Jahren habe ich
mich darauf spezialisiert Rockbands zu produzieren
(und von Zeit zu Zeit auch mal eine Jazzband). Die
Musikrichtung, die ich wirklich am meisten mag ist
definitiv der Progrock. Du weist, ich wuchs mit
Bands wie Yes, Pink Floyd, Genesis auf … daher
bin ich sehr froh zu sehen, dass diese Progszene
derzeit ihre zweite Geburtstunde feiert. Ich mag
Bands wie Porcupine Tree, Ozric Tentacles, Kino,
Spock’s Beard, The Flower Kings … und
ich könnte noch weitere Namen von Progbands
der jungen Generation nennen. Dieses Jahr produziere
ich Alben der beiden führenden belgischen Progbands
Ghirribizi und Mind Games. Wenn ich an dieser Art
von Musik arbeite, dann fühle ich mich wie
„ein Fisch im Wasser“. Es gibt zwischen
der Elektronikmusik und dem Progressivrock genügend
Querverbindungen, so dass es leicht ist Ideen aus
den einzelnen Bereichen zu geben oder zu übernehmen.
Ich bin sehr froh, das diese Szene eine große
Zukunft zu haben scheint, auch wenn sie sich als
Underground-Szene darstellt und nicht mehr die Beachtung
erhält, die Progbands in den 70’ern hatten.
Aber was soll’s, ich kann wirklich nichts
mit dem anfangen, was derzeit im Radio und TV gespielt
wird. Wir wollten immer Musik hören, die von
realen Musikern gemacht ist, die mit dem Herzen
an dem hängen, was sie tun. Gut das wir nun
das Internet zur Verfügung haben, da gibt es
so viel gute Musik zu entdecken!
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